Pflege braucht jetzt entschlossenes Handeln

Geschäftsführer Raik Urban besucht den Bundestag zum Austausch über dringend notwendige Pflegereform.

Die Lage in der Pflege spitzt sich bundesweit weiter zu. Im Landkreis Görlitz ist diese Entwicklung jedoch bereits heute Realität. Vor diesem Hintergrund nahm der Geschäftsführer der Zittauer Alten- und Pflegeheim GmbH „ST. JAKOB“, Raik Urban, an einer Delegationsreise nach Berlin teil, um die drängenden Herausforderungen der Region auf Bundesebene zu adressieren.

Im Rahmen einer gemeinsamen Facharbeitsberatung im Deutschen Bundestag tauschten sich die Vertreter der Pflegebranche im Landkreis Görlitz mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesministerium für Gesundheit, Tino Sorge, sowie den Bundestagsabgeordneten Nora Seitz und Florian Oest über die dringenden Notwendigkeiten einer umfassenden Pflegereform aus.

Die Reise ist die direkte Fortsetzung aus mehreren Fachgesprächen aus den vergangenen Monaten. Bereits im vergangenen Jahr hatten Vertreter des Landkreises Görlitz die spezifische pflegerische Notlage der Region dargelegt. Die präsentierten Zahlen und Prognosen waren so alarmierend, dass eine vertiefende Beratung in Berlin initiiert wurde.

Der Landkreis Görlitz als demografischer Vorreiter – mit großen Belastungen.

Der Landkreis Görlitz steht exemplarisch für eine Entwicklung, die viele Regionen Deutschlands erst in den kommenden Jahren in voller Wucht treffen wird. Bereits im Jahr 2023 war statistisch jede achte Person im Landkreis pflegebedürftig, ein Wert, der die dramatische demografische Dynamik deutlich macht.

„Als regionaler Pflegeanbieter erleben wir die Auswirkungen dieser Entwicklung tagtäglich“, betont Geschäftsführer Raik Urban. „Hohe Pflegebedarfe, nahezu explodierende Eigenanteile, ausufernde Dokumentationsaufwendungen, außergewöhnliche personelle Herausforderungen und enorme wirtschaftliche Belastungen für Pflegeanbieter und Angehörige zeigen klar: Ohne strukturelle Reformen ist die Versorgungssicherheit insbesondere im ländlichen Raum langfristig gefährdet.“

Klare Forderungen an die Bundespolitik

Die Delegation formulierte im Bundestag konkrete Schwerpunkte für eine zukunftsfähige Pflegereform:

  • Deckelung der Eigenanteile, um Altersarmut infolge steigender Pflegekosten zu verhindern und Sozialhilfeträger nachhaltig zu entlasten.
  • Notwendige Investitionskostenförderung, damit notwendige Modernisierungen und Sanierungen nicht einseitig zu Lasten der Bewohnerinnen und Bewohner gehen.
  • Sicherung ambulanter Dienste im ländlichen Raum, insbesondere durch angepasste Vergütungsmodelle, die lange Fahrtwege und geringere Versorgungsdichte berücksichtigen.
  • Sicherung der schulischen und praktischen Ausbildung, zur Gewährleistung von zukünftigen Personalbedarfen.

Für die Zittauer Alten- und Pflegeheim GmbH „ST.JAKOB“ ist klar. Die demografischen Realitäten im Landkreis Görlitz sind kein lokales Randphänomen, sondern ein Frühwarnsignal für ganz Deutschland.

„Wir verstehen unseren Beitrag in Berlin auch als Stimme für viele ländliche Regionen“, so Raik Urban weiter. „Wenn jetzt nicht entschieden gegengesteuert wird, drohen Versorgungs- und Finanzierungsengpässe, die später nur mit deutlich höherem Aufwand und unter erheblich schwierigeren Bedingungen zu bewältigen sein werden.“

Ziel des Besuchs war es daher, der Bundespolitik eindringlich zu verdeutlichen, dass die Sicherstellung einer verlässlichen Pflegeversorgung, insbesondere in Flächenlandkreisen, nur durch rasches und entschlossenes politisches Handeln gewährleistet werden kann.